Die Reise, 1986






Der Film basiert auf dem autobiographischen Roman «Die Reise» von Bernward Vesper, dem Sohn eines berühmten Nazi-Dichters und Lebensgefährte der Terroristin Gudrun Ensslin. Das Buch ist «Der Nachlass einer ganzen Generation» genannt worden, denn dieses Einzelschicksal steht stellvertretend und zur Kenntlichkeit vergrössert für das, was im Kern die ganze sogenannte 68er Generation geprägt hat: Die im Krieg Geborenen lernen zur Zeit des Neuanfangs zu denken, aber statt sich an einem Vaterideal orientieren zu können, haben sie sich mit der Schuld der Väter auseinanderzusetzen. Daraus resultieren die zornigen moralischen Forderungen der Söhne, die – nach den heissen Jahren der Studentenrevolte – in Resignation oder im blinden Hass des Terrorismus enden. Der Film erzählt zwei Kindergeschichten: Die eine, als Rahmenhandlung, erzählt die Flucht eines jungen Vaters mit seinem fünfjährigen Sohn aus dem Terrorismus heraus. Die zweite ist die Kindheits- und Entwicklungsgeschichte dieses Vaters, der aus Opposition zu seinem Nazi-Vater in die Terroristenszene gerät.



Schauspielerinnen & Schauspieler








Markus Boysen
Will Quadflieg
Corinna Kirchhoff
Claude-Oliver Rudolph





Markus Boysen, Schauspieler

Geboren 1954 in Hannover. Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg. Engagements u.a.: Münchner Kammerspiele, Schiller Theater Berlin, Deutsches Schauspielhaus Hamburg.

FILMOGRAPHIE
Nicht ohne dich, Diethard Klante, 2001 TV
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
Tatort; Reifezeugnis, Wolfgang Petersen, 1977 TV






Will Quadflieg (1914 – 2003), Schauspieler

Geboren 1914 in Oberhausen. Engagements u.a.: Volksbühne Berlin, Schiller Theater Berlin, Schauspielhaus Zürich, Salzburger Festspiele, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Burgtheater Wien. Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)
Der grosse Bellheim, Dieter Wedel , 1992, TV
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
Dantons Tod, Rudolf Noelte, 1981
Kamasutra – Vollendung der Liebe, Kobi Jaeger, 1969
Faust, mit Gustav Gründgens, Peter Gorski, 1960
Lola Montez, Max Ophüls, 1955
Moselfahrt aus Liebeskummer, Kurt Hoffmann, 1953
Vergiss die Liebe nicht, Paul Verhoeven, 1953
Schwarze Augen, Géza von Bolváry, 1951
Die Zaubergeige, Herbert Maisch, 1944
Der grosse Schatten, Paul Verhoeven, 1942
Philharmoniker, Paul Verhoeven, 1942
Mein Leben für Irland, Max W. Kimmich, 1941
Das Herz der Königin, Carl Froehlich, 1940
Kora Terry, George Jacoby, 1940
Der Maulkorb, Erich Engel, 1938

AUSZEICHNUNGEN (Auswahl)
Grimme-Preis in Gold, 1994
Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1984
Grosser Hersfeldpreis, 1980






Corinna Kirchhoff, Schauspielerin

Geboren 1958 in Düsseldorf. Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule Berlin. Engagements u. a.: Schauspielhaus Frankfurt, Schaubühne Berlin, Faust-Ensemble von Peter Stein, Burgtheater Wien.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)
Wer liebt hat Recht, Matti Geschonnek, 2001, TV
Der Schuss, Nikolaus Leytner, 2000, TV
Das Alibi, Christine Wiegand, 1999, TV
Das Böse, Christian Görlitz, 1997, TV
Kuppke, Claudia Prietzel, 1996, TV
Game Over, Igor Zaritzki, 1995
Alles Lüge, Heiko Schier, 1991
Fraktur, Matti Geschonnek, 1991, TV
Moebius, Matti Geschonnek, 1991
Das vergessene Tal, Clemens Klopfenstein, 1990
Das Spinnennetz, Bernhard Wicki, 1986
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
Die letzte Rolle, Egon Günther, 1984
Hilf, wenn Du kannst, Eberhard Pieper, 1982

AUSZEICHNUNGEN
Schauspielerin des Jahres, «Theater Heute», 1996
O. E. Hasse Preis, 1986






Claude-Oliver Rudolph, Schauspieler

Geboren 1956 in Frankfurt am Main. Schauspielausbildung bei Volker Spengler. Engagements u.a. : Schauspielhaus Bochum, Freie Volksbühne Berlin, Schauspielhaus Zürich.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)
A. C. Springer, Berndt Böhlich, 2001
James Bonn 007 - The world is not enough, Michael Apted, 1999
Die drei Posträuber, Andreas Prochaska, 1998
Blutsbande, Joseph Orr, 1998
Liebe mich bis in den Tod, Michael Keusch, 1998
Tresko- Amigo Affäre, Hajo Gies, 1996
The Black Curse, Otto Retzer, 1994
Der Schattenmann, Dieter Wedel, 1994
The Wonderbeats Kings of Beat, Claude-Oliver Rudolph, 1990
The Voice, Gustavo Graef-Marino, 1989, TV
Herbstmilch, Joseph Vilsmaier, 1988
Der Angriff, Theodor Kotulla, 1986
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
Alpha City, Eckardt Schmidt, 1984
Chateauvallon, Paul Planchon, 1984, TV
Rote Erde, Klaus Emmerich, 1982, TV
Das Boot, Wolfgang Petersen, 1980

AUSZEICHNUNGEN (Auswahl)
Bester Musikfilm des Jahres für «The Wonderbeats Kings of Beat», 1990
Deutscher Darstellerpreis für «Rote Erde», 1984
Darstellerpreis Studienkreis Film Bochum, 1980








Team








George Reinhart, Produzent
Hans Liechti, Kameramann
Bernward Vesper, Autor






George Reinhart (1942–1997), Produzent

Geboren1942 in New York, Gymnasium in Winterthur, aus dieser Zeit stammt die Freundschaft mit Markus Imhoof. Jus- und Ökonomiestudium in Zürich, Fotoschule in New York. Für die Gebrüder Volkart, das Handelshaus seiner Familie, in Mexiko und Brasilien, kehrt 1976 in die Schweiz zurück und gründet zusammen mit Markus Imhoof die Limbo Film AG. Später gründet er die Firmen Xanadu Film, Metropolis Film (Produktion und Weltvertrieb), Pierre Grise Production, Paris und übernimmt den Rialto Filmverleih in Zürich. Gründer und Stifter des Fotomuseums Winterthur. Gestorben 1997 in Zürich.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)
Jeanne la Pucelle, Jacques Rivette, 1993
La chasse aux Papillons, Otar Iosseliani, 1992
La demoiselle sauvage, Léa Pool, 1991
La Belle Noiseuse, Jacques Rivette, 1991
Nuit & Jour, Chantal Akerman, 1991
Toto le héros, Jaco van Dormael, 1991
Adolf Dietrich, Friedrich Kappeler, 1990
Busters Bedroom, Rebecca Horn, 1990
Histoires d'Amerique, Chantal Akerman, 1988
A Corps Perdu, Lea Pool, 1988
La Bande des Quatre, Jacques Rivette, 1988
Der Passagier – Welcome to Germany, Thomas Brasch, 1988
Le Moine et la sorcière, Suzanne Schiffman, 1987
Last Song, Dennis Berry, 1987
Soigne ta droite, Jean Luc Godard, 1987
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
Mauvais Sang, Leos Carax, 1986
Candy Mountain, Robert Frank, 1986
Golden 80ies, Chantal Akerman, 1985
Transatlantique, Ulrich Schlumpf, 1982
Das Boot ist voll, Markus Imhoof, 1981
Räume sind Hüllen, Lukas Strebel, 1981






Hans Liechti, Kameramann

Geboren 1946 in Zürich. Lehre als Fotograf. Ausbildung beim Schweizer Fernsehen DRS zum Kameramann, seit 1970 freischaffender Regisseur. Lebt in München und Zürich.

FILMOGRPHIE
ALS KAMERAMANN (Auswahl):
Ennemis de la mafia, Claude Goretta, 1988
Erdsegen, Karin Brandauer, 1986 TV
Die Reise, Markus Imhoof, 1986
La Mort de Mario Ricci, Claude Goretta, 1983
Passions, Jean-Luc Godard, 1982
Das Boot ist voll, Markus Imhoof, 1981
Un homme en fruite, Simone Edelstein, 1980
Das gefrorene Herz, Xavier Koller, 1979
Grauzone, Fredi M. Murer, 1978
Das Unglück, George Radanovicz, 1977
Fluchtgefahr, Markus Imhoof, 1974

ALS REGISSEUR (Auswahl):
Eine Liebe auf Mallorca, 2001, TV
Patricias Geheimnos, 1995, TV
Dünki-Schott, Kamera und Co-Regie mit Tobias Wyss, 1988
Akropolis Now, Buch und Regie, 1985

AUSZEICHNUNGEN
Filmpreis der Stadt Zürich, für Kamera in „Hannibal"
Zwei Qualitätsprämien EDI
Sonderpreis für aussergewöhnliche Kamera, Alpinale Bludenz, für „Dünki-Schott"
Max-Ophüls Festival Saarbrücken, Publikumspreis für „Dünki-Schott"
Max-Ophüls Festival Saarbrücken, Uni-Filmpreis für „Akropolis Now"
Festival International du Film de Comédie Vevey, Prix Special, für „Dünki-Schott"






Bernward Vesper (1939 – 1971), Autor

Autor des autobiographischen Romans, der dem Film zu Grunde liegt.

Geboren 1939 auf dem Gut Triangel in Gifhorn, Deutschland, als Sohn des bekannten Nazi Dichters Will Vesper. Studium der Germanistik in Tübingen und Berlin. 1966 im Wahlkampfbüro für Willy Brandt tätig. Lebensgefährte von Gudrun Ensslin. 1967 Geburt des gemeinsamen Sohnes Felix. Gudrun verlässt Vesper wegen Andreas Bader, begeht mit ihm die Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt und geht 1970, nach Baders gewaltsamer Befreiung aus der Haft, in den Untergrund: Beginn der RAF.
1971 Selbstmord von Bernward Vesper in der Klinik Eppendorf, Hamburg.
1977 Tod von Gudrun Ensslin in der Strafvollzugsanstalt Stammheim.

Der Romanessay «Die Reise» erscheint 1977 posthum und wird zum Kultbuch.

Der Sohn Felix studierte in den USA und ist zur Zeit (2002) Bürochef des Grünen Bundestagsabgeordneten Rezzo Schlauch in Berlin.

Der Film benutzt die Vorlage frei, alle Namen sind darum geändert.



Festivals & Auszeichnungen







– Mostra die Venezia, Wettbewerb

– Filmfestival Chicago

– Filmvestival Berlin, deutsche Reihe

– Filmfestival Montreal

– Filmfestival New Dehli

– Qualitätsprämie EDI







Presse








Markus Imhoof ist ein ungemein sorgfältig und genau arbeitender Regisseur. Das erweist sich auf den ersten Blick bei den Schauspielern, die hier ausnahmslos ganz sorgfältig geführt sind. Beeindruckend ist die dramaturgische Eleganz, die Markus Imhoof seinem schwierigen Stoff gegeben hat. Ohne je aufs Reisserische abheben zu müssen, ist die Geschichte von den ersten Einstellungen an von einer Spannung erfüllt.




– Neue Zürcher Zeitung





Those who admired Markus Imhoof’s «The Boat is full» (1980) will not be disappointed by his honest and conscientious approach to German postwar father-son conflicts that led to the student rebellion of 1968 and the hysteria surrounding the Maader-Meinhof Group, as depicted in his well-researched film adaption of Bernward Vesper’s «The Journey».




– The Hollywood Reporter





In addition to intelligence and clarity, the film is blessed with excellent lensing and skillful storytelling that makes it absorbing up to the end. Even without a hard hitting conclusion to consolidate its points, «Journey» remains a film of great interest, and one of the most serious attempts to deal in depth with the theme of terrorism. It will have an art house an festival play far beyound the Swiss mountains.




– Variety





Imhoof schafft es, den schwierigen Weg einer rebellierenden Generation mit erstaunlicher Differenziertheit nachzuzeichnen, ohne dabei gross ins Wanken zu kommen. Wenn Vossens Knabe am Ende den ihm davontragenden Polizisten in die Hand beisst, so gefriert in einem letzten Bild die Hoffnung, dass die Kinder endlich einmal frei werden können, von den Schulden, die ihnen ihre Väter hinterlassen haben.




– Tages Anzeiger





Imhoof gelingt es plastisch und durchaus spannend, die zwei Generationenporträts darzustellen, Figuren auch wie Baader zu skizzieren, indem er sich aufs Geschichten erzählen, aufs konkrete Detail verlässt, auf Requisiten, Tiere, Ankedoten-Erinnerungen.




– Rheinische Post





Das Hauptverdienst von Markus Imhoofs rührendem und strengem Film ist es, dass er die deutsche Nachkriegsgeschichte darstellt und dabei ein historisch wie soziologisch glaubwürdiges Bild des Terrorismus zeichnet. Der Film verbindet in einer wunderbaren Erzählung die Baader-Meinhof-Generation mit jener von Ausschwitz.




– Il tempo, Rom





Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof machte aus Bernward Vespers Kultbuch «Die Reise» einen spannenden Action-Film über die RAF. Er wird damit dem Hass-Werk des Ensslin-Ehemanns Vesper gerechter als durch bemühte Authentizität.




– Tempo





Der Geist der 60er/70er Jahre weht mit beklemmender Direktheit durch den Film, ebenso überzeugend dargestellt wie die Atmosphäre im Elternhaus mit Will Quadflieg als autoritärem Übervater und Christa Berndl als Mutter mit jener apokryphen Mischung aus Arroganz und Weinerlichkeit.




– Zitty


- Schweizer Fernsehen



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